Verlasse deine Komfortzone – but why?




Gerade bei Berufsanfänger:innen fällt gern der Satz “Verlasse deine Komfortzone“ –

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Lasst uns dem Ganzen mal mit dem 3-Zonen-Modell auf den Grund gehen. Zuallererst stellen wir uns dieses bildlich vor Augen vor. Da hätten wir die Komfortzone, die Lernzone und die Panikzone, die sich vom flauschigen Kern des komfortablen Bereichs immer weiter auffächern. Getreu den Namen verbirgt sich der entsprechende Inhalt hinter ihnen.


Die Komfortzone lässt sich recht simpel erklären: Damit wird der Bereich gemeint, der uns bekannt ist – in dem es sich gut und recht bequem anfühlt. Das sind zum Beispiel die routinierten Aufgaben, die sich täglich wiederholenden To-Dos und der Austausch mit den sympathischsten der altbekannten Kolleg:innen. In dieser Zone befinden wir uns im reinen Ausführmodus.


„Ist doch super hier, warum kann ich hier nicht bleiben?“ Kannst du, aber dann entwickelst du dich nicht weiter und bremst dein Potenzial aus, was sich früher oder später auch auf deinen Job auswirken kann.


Lasst uns schauen, was es darüber hinaus zu entdecken gibt:


Auf die Komfortzone folgt die Lernzone, in welcher wir uns vermehrt neuen Herausforderungen stellen und uns möglicher Risiken bewusst sind. Dabei sind für jede:n Einzelne:n die Grenzen, die mit Übertritt in die Lernzone überschritten werden, subjektiv sehr unterschiedlich. Das kann ein Call mit Auslandskolleg:innen sein, welcher abverlangt, das eingerostete Englisch wieder auszukramen oder der bevorstehende Workshop, dessen Moderation schon beim Gedanken daran ordentlich Kopfwirbel auslöst.


Gerade vor dem Hintergrund der Schnelllebigkeit, neuen Arbeitswelten, wandelnden Anforderungen und VUCA-Welt, ist es unabdingbar sich regelmäßig in die Lernzone zu begeben, um erfolgreich zu sein. Nicht nur erfolgreich im klassischen Sinne - Karrierestufen erklimmend und viel Geld verdienend - sondern viel wichtiger: mit Selbstvertrauen in der Lage und in dem Bewusstsein zu sein, Situationen gut zu meistern.


Dieses Gefühl und die Erfahrungen entstehen jedoch erst in der Lernzone, denn anders als in deiner Komfortzone denkst und handelst du hier nicht in gewohnten Mustern. Du lernst neue Impulse und Sichtweisen aufzunehmen, Ängste loszulassen und zukünftig auf Herausforderungen flexibel und selbstsicher zu reagieren.



Watch out: Das Leben ist voller unerwarteter Lernzonen, in die wir manchmal auch einfach reinstolpern! Doch wer Angst hat aus seiner gemütlichen, kuscheligen Komfortzone in eine Lernzone zu geraten, entwickelt „Vermeidungsstrategien“, um jenem gezielt aus dem Weg zu gehen. Doch wie im Hürdenlauf: Das kostet Energie und Kraft, die du besser in Weiterentwicklung investieren könntest.


Solche Situationen sind zwar fordernd und auch mal unbequem, aber für die persönliche Entwicklung unausweichlich.


Vermutlich kennst du das: Gerade die erste Hürde überwunden und einen Blick über den Tellerrand geworfen, kommt eine neue Herausforderung um die Ecke, die ein ähnliches Gedankenchaos auslösen kann.


Schweißausbrüche, zitternde Knie und Herzrasen? Willkommen in der dritten Zone, der Panikzone, die Stress auslösend ist. Hier sind Umgebung und Abläufe gänzlich fremd und erscheinen möglicherweise sogar feindselig. Das kann beispielsweise ein Status Reporting gegenüber der Geschäftsführung eines großen Konzerns oder ein Meeting mit den internationalen Bereichsleitungen sein. Aber auch diese Zone ist wichtig, um neue Erfahrungen zu sammeln, aus Fehlern zu lernen und das eigene Spektrum und Wissen zu erweitern und sein Potenzial auszuschöpfen. Dabei solltest du dich jedoch möglichst „bequem“ vortasten, um besser mit auftretenden Überforderungsgefühlen umgehen zu können. Das ständige Verlassen der Komfortzone kann auslaugen und müde machen. Denn der dauerhafte Ausstoß vom Stresshormon Cortisol kann langfristig zu gesundheitlichen Konsequenzen führen.

Du musst für dich selbst herausfinden, wo die eigene Komfortzone beginnt beziehungsweise endet.


Fakt ist, dass es nicht DIE EINE Komfortzone gibt. Daher ist Grundvoraussetzung, ehrlich zu sich selbst zu sein. Reflektieren hilft: Habe ich die letzte Veranstaltung, auf der ich einen Impulsvortrag hätte halten dürfen, tatsächlich abgesagt, weil ich keine Zeit dafür gefunden habe oder weil ich einfach Angst davor hatte? War ich tatsächlich zu beschäftigt für die virtuelle Netzwerkparty vor zwei Wochen oder graute es mir einfach vor dem Smalltalk mit Fremden?


Es gibt sicher etliche Situationen in deinem bisherigen beruflichen Leben, die es hier zu reflektieren bedarf. Wichtig ist schlussendlich, dass du keine Muster in deinen Verhaltensweisen entwickelst und die Grenzen innerhalb deiner Komfortzone nicht zu eng absteckst. Es wird mit der Zeit nicht leichter, sondern schwerer, wenn die eigenen Motive nicht ehrlich evaluiert werden.


Fordern uns Dinge zu stark heraus, kann das frustrieren und das erwünschte Wachstum bleibt aus. Gegenteilig ist das Verweilen in der Komfortzone auch schnell langweilig und Stagnation tritt ein. Also genau in dem Bereich zwischen Komfortzone und Panikzone kann Lernen und Wachsen stattfinden. Daher ist es wichtig die eigenen Motive und Grenzen zu kennen, um die eigene Lernzone zu finden.


Wahrnehmen, erkennen und anschließend gestalten.


Nehmen wir uns mal Tipps zum Ausprobieren am Beispiel Small Talk und Netzwerken vor. Für manche bedeutet das vielleicht Stress, andere machen es mit links. Das Gute ist: Es wird leichter von Mal zu Mal. Fang einfach an, nutz deine Komfortzone aus einem anderen Bereich, um dich in dem Bereich, in dem du deine Komfortzone verlässt, in die Lernzone zu wagen. Wenn du also Panik vor Netzwerken oder Reden vor größeren Gruppen hast, dann such dir im ersten Schritt ein Thema aus, welches du gut kennst und starte in einem kleinen Rahmen von Personen.


Good News: Ab und an darf es sich in der Komfortzone auch bequem gemacht werden, also vergiss nicht deinen Energie-Akku in deiner persönlichen Komfortzone aufzuladen. Die nächste Gelegenheit, etwas Neues zu versuchen, kommt mit Sicherheit.


Und dann heißt es wieder, auf die Plätze, fertig, los – wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Und sowieso: Die Zukunft gehört den Mutigen.