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Wissen, wie man stimmt: Unsere Buchempfehlungen für die Europawahl 2024


 


Die Europawahlen stehen vor der Tür und wir möchten euch im Zuge des aktuellen politischen Zeitgeistes die richtigen Werkzeuge an die Hand geben, um eure Stimme für eine informierte Wahl abzugeben. Bei 55BirchStreet sind Bücher seit jeher ein fundamentaler Bestandteil unserer Corporate Identity, in stetiger Bemühung, sich zum aktuellen Weltgeschehen fortzubilden. Hier sind dementsprechend unsere Lektüreempfehlungen zu einigen der größten Herausforderungen des 21. Jahrhunderts.


Wirtschaftliches


Wirtschaftsfragen erweisen sich als weiterhin heiß diskutiertes Thema, wenn alles teurer, das eigene Geld angeblich verschleudert und die Allgemeinheit arbeitsfaul und verwöhnt wird. Aber stimmt das eigentlich oder entspricht dieses Weltbild lediglich der persönlichen Wahrnehmung? Wir empfehlen folgende Texte, um den eigenen Horizont zu erweitern.


Factfulness von Hans Rosling

Genau der zuvor beschrieben Problematik widmet sich Roslings Factfulness, in einer Welt, in der eine Nachricht schlimmer als die andere scheint. Dass das gar nicht unbedingt stimmt, scheint unser Gehirn, in seiner Tendenz zu überdramatisieren, jedoch nicht verstehen zu wollen. Rosling bietet anhand von Statistik ein faktengestütztes Gerüst dazu, wie die Realität tatsächlich aussieht.


Utopia for Realists von Rutger Bregman

Universales Grundeinkommen, die vier-Tage-Woche, offene Grenzen. Begriffe, bei denen immer mehr Personen die Stirn in prinzipielle, stark enervierte Falten legen. Utopia for Realists fordert eben diese Ablehnung heraus und tätigt ein formuliertes Argument für das augenscheinlich Unerreichbare. Jeder soziale Fortschritt – vom Ende der Sklaverei, bis hin zur Demokratie – sei irgendwann utopische Träumerei gewesen, und das ist das Stichwort. Wie Will Hutton für The Observer so passend zu Utopia for Realists schrieb: “You may not dream the same dreams as Bregman – but he invites you to take dreaming seriously. For that alone, this book is worth a read.”


Tax the Rich von Jørgen Randers und Till Kellerhoff

Mittlerweile sollte es längst bekannt sein, dass die reichsten zehn Prozent nicht nur am konsequentesten von unserem Wirtschaftssystem profitieren, sondern auch die bemerkenswertesten Umweltschäden zu verantworten haben. Randers und Kellerhoff tätigen ein Argument, für Vermögens- und Erbschaftssteuer von Privatpersonen sowie eine globale für Unternehmen – zur Rekompensation der übrigen 90%. Sicherlich einen Blick und daraufhin auch eine Diskussion wert!


Geschlechterpolitik


Im Zuge der dritten Welle des Feminismus, welche wir aktuell erleben, stellt sich nicht nur vermehrt die Frage, wie systemisch die Gleichstellung der Geschlechter gedacht werden muss, sondern auch, was der Geschlechterbegriff tatsächlich umfasst, über die Grenzen der binären Geschlechterordnung hinaus. Wir empfehlen folgenden Text zum Thema:


We Should All Be Feminists von Chimamanda Ngozi Adichie

Eigentlich als Ted Talk vorgetragen und nun zum Essay neugeschrieben: We Should All Be Feminists thematisiert die feministische Begriffsdefinition des 21. Jahrhunderts und warum es als Bezeichnung mit Stolz getragen, statt abwertend verstanden werden sollte. Ein eloquentes Argument gegen langatmige Stereotype und für eine kritische Ausarbeitung sozialer Gerechtigkeit. We Should All Be Feminists ist allen voran eine robuste Einführung ins Thema.


Mehr zur feministischen Theorie der jeweilig zweiten und dritten Welle, lassen sich übrigens in Simone de Beauvoirs Le Deuxième Sexe (Das andere Geschlecht) und Judith Butlers Gender Trouble finden, welche wir in diesem Sinne ebenfalls empfehlen wollen! Eine geeignete Vertiefung auf den Essay von Adichie folgend.


Klimafragen


Sind aktuelle Klimamaßnahmen zu scharf? Ist der Klimawandel tatsächlich menschgemacht – und wenn man schon dabei ist, gibt es ihn überhaupt? Wir wissen, dass manche sich zu alledem weiterhin kritisch geben und hoffen, dass folgende Ressourcen helfen, einen Umblick zum Thema zu schaffen.


We Are the Weather von Jonathan Safran Foer

In We Are The Weather nimmt Foer sich der Frage an, was es mit der Umweltkrise auf sich hat und ob wir diese noch lösen können. Das Fazit ist dabei eine recht ungewöhnliche Idee: Würden wir alle nur noch eine tierische Mahlzeit am Tag konsumieren, würde das eventuell schon genügen. Ein sehr guter Überblick zum Klimawandel, wobei die ersten zwei Drittel des Buches thematisch ausreichen. Es sei denn, man möchte noch lesen, wie Foer ein Interview mit sich selbst führt. Na ja.


Deutschland 2050 von Nick Reimer und Toralf Staud

2007 bemühte sich das Autorenduo bereits in „Wir Klimaretter“ zu zeigen, wie man Emissionen in Deutschland bis 2020 halbieren könnte. Da das nichts wurde, wird nun eben Tacheles geredet. Deutschland 2050 zeichnet ein Zukunftsbild Deutschlands unter Auswirkungen der aktuellen Entwicklungen. Ein Augenöffner, für diejenigen, die sich fragen, ob die aktuellen Maßnahmen denn genügen – und eine freundliche Erinnerung, das 26 Jahre im Großen und Ganzen gar nicht mal so viel Zeit sind.


Not The End of the World von Hannah Ritchie

Wenn auch bereits in einer unser anderen Reading Lists gegeben, müssen wir Not The End of the World in diesem Sinne noch einmal empfehlen. Hannah Ritchie, Senior Researcher an der University of Oxford zu Umweltproblemen und dessen Beziehung zum Alltag, zeigt mit Blick auf aktuelle Klimadaten, wie der Stand der Dinge ist und warum wir als Gesellschaft das erste Mal tatsächlich nachhaltig sein könnten – doch eben auch, was es braucht und worauf unser Fokus liegen müsste. Ein motivierend optimistisches Buch zu einem Thema, welches häufig Endzeitstimmung breitmacht, ohne hierbei den angemessenen Ernst aus den Augen zu verlieren.


Fragen rund um Diskriminierung


Pluralistische Gesellschaften stehen stets vor der Herausforderung, einen gemeinsamen, kulturellen Nenner zu finden, welcher Identität stiftet und Anfeindungen unterbindet. Wichtig ist es somit, zu alledem angemessen zu sensibilisieren. Eine Auswahl wichtiger Bücher zu den Themen Hautfarbe, Fremdheit und Kultur.


Was weiße Menschen nicht über Rassismus hören wollen von Alice Hasters

Berühmt berüchtigt von Dieter Nuhr im TV zerrissen worden, ohne, dass der Kabarettist das Buch tatsächlich gelesen hat. Ein grober Schnitzer. Nicht umsonst wurde das Buch auch von der Bundeszentrale für politische Bildung in deren Schriftenreihe aufgenommen. Hasters erklärt sachlich das Phänomen des unscheinbaren Alltagsrassismus, inwiefern diskriminierende Verhaltensweisen sozialisiert werden und – vielleicht am aller wichtigsten – dass sich derartiges nicht nur im rechten Spektrum der Gesellschaft abspielt, sondern erfordert, sich im Weiteren selbst an die Nase zu fassen.


Born a Crime von Trevor Noah

In Born a Crime erzählt Trevor Noah – ehemaliger Host der Daily Show – von seinem Aufwachsen als „mixed“, uneheliche Person, zu Zeiten der Apartheid in Südafrika. Der Titel basiert hierbei auf dem illegalen Verhältnis, welches seine Eltern zu der Zeit führten: Da Noahs Vater nämlich schweizerdeutsch und seine Mutter Xhosa war, gingen diese eine Beziehung ein, welche unter dem Immorality Act verboten wurde. Als Coloured Person, wie das System of Racial Classification ihn benannte, war Noahs allgemeine Existenz ein somit grundsätzliches Verbrechen. Wichtige Lektüre – insbesondere, wenn man glaubt, derartiges läge doch so weit in der Vergangenheit. Zum Erscheinungszeitpunkt des Buches war Trevor Noah gerade mal 32 Jahre alt.


Women, Race and Class von Angela Y. Davis

Drei Fliegen mit einer Klappe, sozusagen und schwer nur einer der von uns vorgestellten Kategorien zuzuordnen. In 13 Essays widmet Davis sich unter präziser Kulturanalyse eben diesen Themen und beweist sich historisch somit als eine der ersten Akademiker:innen, welche intersektionell hierzu gearbeitet hat, sprich, die Wechselbeziehungen von Geschlecht, Hautfarbe und Klasse begreifend. Eine fortgeschrittene Untersuchung zur sozialen Ungleichheit und den Systemen, welche diese aufrechterhalten.


Wir wünschen viel Erfolg beim Lesen und hoffen, dass die vorgestellten Bücher nicht nur Fragen beantworten, sondern auch neue stellen. 

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