Edward Snowden und die Welt danach



Das Lesen des Buches verändert die Perspektive – und zwar jede!

Der unbedarfte Umgang mit Technologie und der hiermit einhergehenden Nutzung von Daten, wird nach dem Lesen des Buches von Edward Snowden – „Permanent Record“, eine radikale Veränderung erfahren.


In der zweiten BookAholics-Runde ging es um die Autobiographie von Edward Snowden, der seit 7 Jahren in Russland festsitzt, nachdem die USA durch Druck auf ihre Verbündeten eine Weiterreise Snowdens, nach seiner Flucht aus Hongkong, unmöglich gemacht haben.

Durch die Auseinandersetzung mit dem Thema Datenschutz, und hier kommt man an der DSGVO nicht vorbei, bot dieses Buch genug Stoff für eine anregende und lebhafte Diskussion der Teilnehmer.


Im Juni 2013 begannen der britische Guardian und die amerikanische Washington Post, geheime Dokumente zu veröffentlichen, die vom früheren NSA-Mitarbeiter Edward Snowden geleaked wurden.

Die von Snowden weitergeleiteten Dokumente enthüllten ein weltweites Netz von Spionagesystemen. Im Zentrum des Skandals standen die NSA und der britische Geheimdienst GCHQ. Zu den engsten Partnern der USA und Großbritannien gehören Kanada, Australien und Neuseeland, zusammen bilden sie die Five Eyes, die jede Form elektronischer Kommunikation überwachen wollten.


Wie fanden wir das Buch?


Auch nach nunmehr 8 Jahren der Enthüllungen ist es immer noch schockierend, wie leicht und mit was für einer Selbstverständlichkeit unsere Daten erhoben und auch genutzt werden. Denn auch nach Veröffentlichung gehen die Konsequenzen gen Null. Der große Aufschrei in der US-amerikanischen Bevölkerung gegen die von ihrer Regierung zu Unrecht gesammelten Daten kam nie. Im Gegenteil – nach 9/11, als die Grundfesten der amerikanischen Unverwundbarkeit einen tiefen Riss erfuhren, galt Snowden als derjenige, der sein Land verraten hatte und nun selbst ein Sicherheitsrisiko darstellte.


„Die meisten Amerikaner wollen nicht Freiheit, sie wollen Sicherheit.“ „Gegen Angst gibt es kein Argument“

Das Abhören von unter anderem mehr als 122 Regierungsoberhäuptern, allen US-Bürgern (Die NSA sammelte von Oktober 2001 bis Mai 2015 sämtliche Verbindungsdaten aus Telefongesprächen und E-Mail-Verkehr in den USA), der Weltbank und des IWF wurde von der US- Bevölkerung billigend in Kauf genommen. Zwar entschied der US-Kongress im Sommer 2015, dass Geheimdienste nicht mehr alle Daten von Telefongesprächen sammeln können. Doch im Januar 2018 verlängerten die Abgeordneten auf der anderen Seite ein Gesetz zur Überwachung ohne richterlichen Beschluss. Alle Vorschläge für einen besseren Schutz der Privatsphäre fielen dabei durch.

Wir stellen uns die Frage, wer kontrolliert und wacht über diejenigen, die unsere Daten sammeln? Das Buch ist immer noch hochaktuell und sensibilisiert uns, wie wir zukünftig mit unseren Daten umgehen wollen.


Was bedeutet das für uns?


Die Digitalisierung schreitet unaufhaltbar und mit einer atemberaubenden Geschwindigkeit voran. Das bringt dringend benötigte Innovationen und fantastische sozio- ökonomische Chancen mit sich, von der wir alle profitieren können. Doch kann sich unser politisches System so schnell weiterentwickeln, wie die rasante Digitalisierung es erfordert. Ganz klar, die ursprüngliche Drei- Gewaltenaufteilung in Judikative, Legislative und Exekutive in der Reinform ist überholt und wir diskutieren über folgendes:


„Sind wir in der Lage, dieses System die nächsten 200 Jahre weiterzuführen?“

Die Medien werden schon seit längerem als 4. Gewalt bezeichnet und nun im Zuge der Digitalisierung gibt es eine 5., die in unseren Augen wahrscheinlich die Stärkste ist: Konzerne und Institutionen, die unsere Daten erfassen.


„Das System wandelt sich im Zuge der Zeit und wir müssen schauen, dass es ein gutes System wird“

Wir sollten angehalten sein, Verantwortung zu übernehmen, damit wir es zum Guten gestalten.


Snowden-Leaks und was nun?


Am 5. Juni 2013 begann die erste Enthüllung durch Edward Snowden. Hat sich dadurch unserer Meinung nach was verändert – der Konsens der BookAholics war- Nein! Die These, die aufgestellt wurde, war:


„Was Snowden aufgedeckt hat ist eigentlich egal - geändert hat sich ja eh nichts“

Datensammeln ist für alle Länder und Unternehmen wichtiger denn je. China sammelt die Daten seiner Bürger in gigantischem Maße, die USA tun das mit ihren Großkonzernen wie Google etc. auch. Welche Daten hierbei gesammelt werden und wie sie verwendet werden ist meistens nicht ersichtlich. Dennoch gibt es keine Empörungswelle seitens der Gesellschaft, denn die Bequemlichkeit überwiegt gegenüber der Unsicherheit der Datenverwendung und ihres eventuellen Missbrauchs.

In einem waren sich alle Teilnehmer einig: Wir haben großen Respekt für Snowdens Mut und Integrität und wünschen uns mehr Snowdens für diese Welt.


Gibt es auch was Positives?


In der Welt der modernen Schlapphüte aus NSA, CIA und so weiter gilt es, trotzdem dem Mantra der erhöhten Sicherheit nachzugehen. Vielleicht konnten, trotz aller Kritik und Missfallens an den Vorgängen, doch einige terroristische Anschläge verhindert werden. Würden wir anders darüber denken, wenn wir wissen würden, wie viele Anschläge durch eine solche Überwachung verhindert wurden? Würden wir anders denken, wenn wir hier eine potenzielle Opferzahl kennen würden? Rechtfertigt es trotzdem die Überwachung aller Menschen?

Eine spannende Diskussion, die wir ewig hätten fortführen können.




Die folgenden Quellen können wir in diesem Zusammenhang noch sehr empfehlen:


# Glenn Greenwald - No Place to Hide: Edward Snowden, the NSA, and the U.S. Surveillance State

# Bruce Schneier: Data and Goliath: The hidden Battles to Collect your Data and Control Your World

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