Book Review - "Stealing Fire" von Steven Kotler und Jamie Wheal




Stealing Fire – How Silicon Valley, the Navy SEALs, and Maverick Scientists Are Revolutionizing the Way We Live and Work.


Eine Anleitung zum Drogen nehmen?

Wie viel bist du bereit zu riskieren, „to get into the zone“? Und wie weit gehst du über die legalen Grenzen hinaus, um deine Problemlösungsfähigkeit zu stärken?


Beim ersten Lesen schrie meine innere Stimme der 5. Klässlerin aus der 1. Reihe regelmäßig: „Finger weg von den Drogen!“ Und vielleicht ist es auch ein kleines bisschen unsere deutsche Kultur, lieber „dry as dust“ zu sein, statt einem „ecstatic sense of unity“ nachzueifern.


Die Rede von altered states, ecstasis, spirituality und der wiederholten Botschaft, Drogen seien zu Unrecht verboten, hatte einen Touch von Sekte, Brainwashing, der Typ auf der Party, der sagt: „Das ist echt totaaaal ungefährlich“.


Doch nochmal von vorn: Worum geht es eigentlich im Buch?

In erster Linie nicht ums Drogen nehmen! Im Buch Stealing Fire versuchen Steven Kotler und Jamie Wheal dem Flow-Zustand auf den Grund zu gehen. Dabei betrachten sie das Thema nicht über die gewohnten Themen wie Meditation oder Leidenschaft, sondern nehmen eine etwas wildere, vielleicht auch nur mutigere Perspektive ein: Es geht um Glücksspiel, MDMA & Elektrobeats aber vor allem über neuronale Prozesse im Gehirn, die ausgelöst werden, wenn wir den Flow-Zustand erreichen (wollen).


Denn letztlich geht es immer um die berüchtigten „Pleasure Chemicals“ im Gehirn, die Motivation, Eigenantrieb und Leistungsfähigkeit weit nach vorne katapultieren können. Sie sprechen tabu-frei über Microdosing, Halluzinogene, räumen mit Vorurteilen auf und vergleichen Daten. Wir fanden im Buch extrem spannend, welche ungewöhnlichen Wege auch heute schon Organisationen wie Google oder die Navy SEALs gehen, um Lernen und Entwicklung auf die nächste Stufe zu heben:


„By using [methods] to eliminate all distraction, entrain specific brainwaves, and regulate heart rate frequency, the SEALs are able to cut the time it takes to learn a foreign language from six months to six weeks. For a specialized unit deployed across five continents, shutting off the self to accelerate learning has become a strategic imperative” (S. 27).

Doch letztlich fehlte uns zumindest an einigen Stellen die nötige Rücksicht von Risiken.


„Glücksspiel kann süchtig machen.“

Basierend auf den Zahlen in Stealing Fire, sind wir weltweit nicht nur risiko- sondern auch zahlungsbereit, einen solchen „altered state“ zu erreichen, „to get out of our heads“. Dabei sind wir bereit in z.B. Alkohol, Tabak, Koffein, Drogen, Schmerztabletten, Counseling, Therapie, Actionsport, Videospiele, Glücksspiel, EDM Musik oder Social Media zu investieren in der Hoffnung, einen „altered State“ zu erreichen. Glückseligkeit, Erleuchtung? Nicht wirklich, aber zumindest mal zeitweise aus dem Gedanken-Karussell aussteigen. Und mit der Digitalisierung gibt es dafür nicht nur erweiterte Möglichkeiten, sondern auch weitere Gefahren, uns süchtig zu machen.


„We never really get free of our digital leashes, even in bed or on vacation” (S. 39).

Unendliche Möglichkeiten?

Darüber hinaus bieten uns digitale Technologien Zugang zu Informationen und damit auch Risiken, die bisher im verborgenen lagen, wie z.B. Rezepte zum Herstellen von Drogen oder deinen nächsten technologischen Schritt zum Cyborg.


Dabei diskutieren sie heiß die Frage um sogenannte „Smart Drugs“, die den Fokus und das Durchhaltevermögen von Studierenden stimulieren können: Warum gelten Koffein, Kontaktlinsen oder künstliche Herzklappen eigentlich bei einer Klausur nicht als „schummeln“ während Psychodelics illegal sind und LSD, Magic Mushrooms oder MDMA als Doping für das Gehirn als Betrug gelten? Ist es da wirklich sinnvoll, dass es ADHD Medikamente wie Ritalin oder Adderall legal in die Seminarräume schaffen, obwohl die „essentially the same substance“ sind?


Das Buch überschreitet dabei häufig die Grenze dessen, womit wir uns gewöhnlich auseinander setzen und genau darum war es wieder ein spannendes Buch für unseren BookCircle.

Was wir für unsere Arbeit mitnehmen.

  • MDMA zum Frühstück. Spaß! 😋

  • Bei Themen, für die wir Kreativität und anspruchsvolle kognitive Fähigkeiten brauchen, mal kein Timeboxing und kein Anschlusstermin, sondern „open end“ umsetzen. Denn das Gefühl von „Timelessness“ kann die volle Leistungsfähigkeit erzielen. „When […] the ideas start to flow, there is no room for anything else. Definitely not for time.”

  • Jede:r entscheidet individuell, wann das Handy ausgeschaltet wird, basierend auf persönlichen Bedürfnissen. Bei einer:m ist der Verzicht eines Check-ups der E-Mails am Wochenende ein absolutes No-Go, während jemand anderes abends wirklich abschalten muss, um gut zu schlafen.

  • Nach dem SEALs Motto: „You don‘t ever rise to the occasion, you sink to your level of training” kann auch in unserem Arbeitskontext heißen: Wenn wir fit sind, brauchen wir vor Stresssituationen keine Angst haben.

  • In der Freizeit öfter mal surfen gehen oder Yoga und Meditation. Unsere Birchies machen es vor: Janine kitet am Wochenende während Romy in den Tag mit Yoga startet und Stephan mit einer Meditation – alles gute Wege zum Flow-Zustand!

  • Bei der nächsten Netzwerkveranstaltung heiße statt kalte Drinks servieren: „The act of physical warmth is enough to trigger a cognitive change: you literally warm up to people, no thinking required.” (S. 98) 😉

  • Den nächsten Team-Ausflug planen als „creative field trip“, um auf neue Insights und Ideen zu kommen. Der letzte 55BirchStreet Trip ging nach Malente an den Dieksee. Mal sehen, wo es uns als nächstes hin verschlägt! Ob wir dort direkt unsere Herzfrequenzen alignen, um gemeinsam in den Flow zu kommen? Vermutlich nicht, aber eine kleine Meditationssession ist vielleicht drin!

  • Und der Begriff “Psychonaut“, also ein „Explorer of Inner Space“, hat uns total fasziniert und wird ab sofort ins Vokabular aufgenommen 😊

  • Doch das Wichtigste zum Schluss: Wie kommen wir an Burning Man Tickets fürs gesamte Team? Falls das mit dem Burning Man dann doch nicht klappt, ein kleiner Geheimtipp: Das Boom-Festival soll in Portugal sein 😉

Fazit: Wenn dich ein ungewöhnlicher Start und ein gewisser Touch von Brainwashing nicht beunruhigt, lasst euch auf das Buch ein!

Für uns ist es jetzt Zeit für ein „dedicated time-out for stimulant consumption“ aka Coffee Break. ☕



Ihr habt das Buch auch gelesen und möchtet euch mit uns dazu austauschen? Darauf freuen uns! Schreibt uns gerne eine Nachricht.



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