Digitale Transformation: Wie verändern sich traditionelle Wertschöpfungsketten?



Was „verbirkt“😉 sich eigentlich hinter Digitalisierung und digitaler Transformation?


Fangen wir heute mal ganz vorne an:

Während Digitalisierung das teilweise oder ganze Ersetzen der analogen Leistungserbringung durch digitale, computerhandbare Modelle bezeichnet, geht die digitale Transformation noch deutlich weiter. Laut Dahm und Holst (2020: 225) beschreibt sie „[den] Veränderungsprozess eines Unternehmens in all seinen Bereichen mit dem Ziel, durch den Einsatz neuer Technologie, die Vernetzung neuer und bisher eingesetzter Objekte und die Schaffung einer unterstützenden Unternehmenskultur bisherige Produkte oder Prozesse zu verbessern oder neue Produkte zu erfinden.“


Diese beiden Definitionen verdeutlichen den Unterschied zwischen den beiden Buzzwords und zeigen auf, dass Digitalisierung mittlerweile lediglich ein Hilfsmittel zur Umsetzung der digitalen Transformation ist und dass es zu tiefgreifenden Veränderungen innerhalb von Unternehmen und entlang der gesamten Wertschöpfungsketten kommen wird.


Doch wie sehen diese Veränderungen aus?

Puh, das klingt erst mal nach trockener Theorie, ist aber für unser gemeinsames Verständnis relevant: Zuerst sollte bei Wertschöpfungsketten klar zwischen internen (vertikalen) und übergreifenden (horizontalen) differenziert werden. Die digitale Transformation hat dabei auf beide Wertschöpfungsketten einen signifikanten Einfluss.


Die vertikale Wertschöpfungskette

Wir kriegen diese Veränderungen schon hHautnah Tag für Tag während unserer Arbeit bei 55BirchStreet mit. Es ist inspirieren, welche Maßnahmen kleine und große Unternehmen, die wir unterstützen dürfen, bereits umsetzen und wie die Vision von Unternehmen sich der schnelllebigen Welt anpassen. Wir freuen uns, Teil dieser langen, anspruchsvollen, aber auch spannenden Reise zu seinn und unterstützenden Aktivitäten mithilfe von bspw. IT-Systemen möglich ist, da es so zu einer Vernetzung der Daten und Prozesse innerhalb eines Unternehmens kommt. Es ist davon auszugehen, dass sich die Primäraktivitäten sukzessiv weiterentwickeln, indem nach und nach einzelne Wertschöpfungsprozesse in ein übergreifend vernetztes System eingebunden werden, sodass die Abstimmung zwischen den Primäraktivitäten optimiert wird. Dies hat zur Folge, dass der Gesamtprozess effizienter wird.


Auf die unterstützenden Aktivitäten wirkt sich die digitale Transformation indirekt aus, da hier nachhaltige und zukunftsfähige Strukturen geschaffen werden müssen, damit die sich stetig ändernden wirtschaftlichen Rahmenbedingungen gewinnbringend genutzt werden können. Schlussendlich führt die digitale Transformation zu einem Verschwimmen der Abgrenzung primärer und unterstützender Prozesse, sodass ein internes Wertschöpfungsnetzwerk entsteht. Wertschöpfung entsteht also nicht mehr traditionell in einem linearen Wertschöpfungsprozess, der zeitversetzt und sequenziell ist, sondern flexibel, vernetzt und abgestimmt.


Klingt kompliziert? Ist es auch – aber im Groben kann die Implementierung der vertikalen Transformation in drei aufeinander aufbauende Stufen aufgeteilt werden:


  • Erstens kann schlichtweg das bereits etablierte Wertschöpfungsmodell gesteigert werden, indem durch die digitale Transformation die Effizienz, Qualität und Verlässlichkeit der Prozesse bei einer gleichzeitigen Kostensenkung gesteigert wird.

  • Zweitens kann die Variabilität und Flexibilität des Produktionssystems durch eine umfassende digitale Transformation der Produktion und der ihr zugrundeliegenden drei Aspekte– Produktionsprozesse, die dabei verwendeten Geräte und Maschinen sowie das Produkt selbst – gesteigert werden. Dadurch kann deutlich schneller und effizienter auf externe Faktoren, wie bspw. veränderte Kund:innenwünsche (z. B. individuellere Produkte) oder Marktbedürfnisse (z. B. das Streben nach Transparenz) reagiert werden.

  • Schlussendlich kann mithilfe einer optimalen Vernetzung dank der digitalen Transformation und der damit einhergehenden Auswertung von Daten neue Services angeboten und somit neue Geschäftsmodelle erschlossen werden.


Doch wie sieht sowas in der Praxis aus?

Am Beispiel: Das Thema „Smart Farming“ ist heiß diskutiert und soll dabei helfen, die Landwirtschaft nachhaltig umzustrukturieren und ökologischer zu machen. Hierbei wird sowohl das etablierte Wertschöpfungsmodell gesteigert als auch die Variabilität und Flexibilität des Produktionssystems erhöht. Die hierfür benötigten Daten werden durch die Digitalisierung des Unternehmens (Einsatz von digitalisierten Maschinen, Robotik) und den Einsatz von Sensoren und Steuerungstechnik zunehmend angereichert, miteinander kombiniert und mithilfe von bspw. Wetterprognosen oder Marktinformationen ergänzt, sodass eine Verzahnung aller Arbeitsschritte und eine optimale Entscheidungsunterstützung erfolgen. Die entstehenden Datenmengen („Big Data“) müssen mithilfe von digitalen Technologien wie bspw. KI analysiert werden, um die Entscheidungsunterstützung möglich zu machen. Mithilfe der Daten über den Bodenzustand, die Betriebsmittelverfügbarkeit, Klimadaten u.v.m. kann sogar die beste Fruchtfolge oder die beste Tierbesatzung errechnet werden. Es geht also nicht nur um die Verbesserung einzelner landwirtschaftlicher Produktionsprozesse, sondern um eine Optimierung der betrieblichen Prozesse und Entscheidungen eines landwirtschaftlichen Betriebs.

Um jedoch das optimale Zusammenspiel der Daten zu erreichen, muss der landwirtschaftliche Betrieb mit der gesamten Wertschöpfungskette horizontal vernetzt sein. Was das genau bedeutet, erfahrt im nächsten Abschnitt. 😊


Die horizontale Wertschöpfungskette


Die horizontale Integration geht einen Schritt weiter, indem sie auch externe Partner:innen in die Wertschöpfungskette integriert; es kommt somit zu einer Vernetzung über Unternehmensgrenzen hinweg mit dem Ziel, einen Datenaustausch der an dem Wertschöpfungsprozess beteiligten Akteuren zu ermöglichen und zu optimieren.


Die Integration von IT-Systemen entlang der gesamten Wertschöpfungskette ist ein Schlüsselelement der horizontalen Integration, welches dazu führt, dass Material-, Informations- und Finanzflüsse entlang der Wertschöpfungskette entstehen. Diese unternehmensübergreifende Integration führt nicht nur zu der Entstehung neuer Formen von Organisationen der Wertschöpfungsketten, sondern auch zu neuen zwischenbetrieblichen Beziehungen – die einzelnen Wertschöpfungsketten sind nicht mehr isoliert voneinander. Vielmehr findet Wertschöpfung zukünftig durch eng miteinander vernetzte Akteure statt, die in Echtzeit kommunizieren, sodass eine dynamische Arbeitsteilung entlang der gesamten Wertschöpfungskette entsteht. Das hat folgende Vorteile, z.B.:


  • eine erhöhte Transparenz entlang der kompletten Wertschöpfungskette

  • eine optimierte Abstimmung von Angebot und Nachfrage, da in Echt-Zeit Daten zwischen den herstellenden und handelnden Unternehmen fließen

  • eine Logistikkette, die mithilfe von Sensorik zur Messung von der Länge der Standortaufenthalte, genereller Zustand etc. immer weiter verbessert werden kann

  • einer Verkürzung der Produktionszeiten und Beschleunigung der Innovationszyklen

  • einer Bündelung unternehmensübergreifender Ressourcen, sodass Hindernisse leichter bewältigt werden können

  • einem erhöhten Austausch an Informationen und Ressourcen zwischen Akteuren, was zu einem kollektiven Erschaffen von Ergebnissen insbesondere hinsichtlich des Werteversprechens gegenüber den Kund:innen führt


Klingt alles schön und gut, aber wie sieht das in der Realität aus?


Am Beispiel: Nachdem mithilfe von „Smart Farming“ ein Gut produziert wurden, wird es im nächsten Schritt anhand optimierter Sammelrouten zu der Verarbeitungsindustrie (z. B. Molkerei) verfrachtet. In der Produktion werden automatisierte, sich selbst reinigende Produktlinien genutzt, die mit einer sensorbasierten Produktdokumentation ausgestattet sind. Hierbei erfolgt auch ein automatisches Planen und Managen des Produktions- und Logistiknetzwerks, welches auf gegenwärtigen Beständen und Kapazitäten in der Vertriebskette basiert und sich an Umsatzprognosen orientiert. Die Verpackung erfolgt mithilfe eines automatisierten Verpackungsmanagements, welches Echtzeitdaten zu dem Produkt und den Kundenanforderungen verwertet. Anschließend wird das fertig verpackte Produkt zu einem regionalen Lagerhaus verfrachtet, welches sich in Kundennähe befindet. Die Lieferung zu der Verkaufsstelle wird durch eine dynamische Routenoptimierung unterstützt und mithilfe Echtzeit-Produkt-Tracking erfolgt, sodass die Kund:in schlussendlich ein umfassendes Qualitäts-Tracking vom Acker bis zum Teller hat.


Anhand dieses Beispiels wird deutlich, dass eine horizontal integrierte Wertschöpfungskette das zunehmende Streben nach Transparenz und Nachhaltigkeit in der Landwirtschaft möglich macht und Kund:innen somit die Sicherheit haben, dass sie nachhaltige und regionale Lebensmittel kaufen. Auch heute schon kann man QR-Codes auf Lebensmitteln scannen und die Entstehung des Produktes verfolgen.


Es verstecken sich aber tatsächlich auch einige Risiken!

  • Durch die zunehmende horizontale Vernetzung dringen neue Akteure in traditionelle Wertschöpfungsketten ein, die die Wissenslücken speziell im Bereich der Herstellung von IT-Geräten, IT- und Analysedienstleistungen sowie die Entwicklung von Softwaren füllen. Da diese Fähigkeiten immer mehr an Bedeutung gewinnen, entsteht ein Abhängigkeitsverhältnis, da traditionelle Unternehmen kaum eigene Ressourcen und Kompetenzen aufbauen.

  • Zudem kann die horizontale Vernetzung dazu führen, dass andere Akteure Zugang zu sensiblen Kund:innen-Daten oder unternehmensinternen Daten erhalten – Datenschutz ist hier von fundamentaler Bedeutung. Andererseits führt erst der Fluss von Daten dazu, dass Prozesse optimiert werden können, was das Ganze knifflig macht.

  • Es kommt zu einer Erhöhung der Schnittstellen mit anderen Unternehmen und somit auch einer Erhöhung der Komplexität der Interaktionen, was speziell für kleinere Unternehmen überfordernd sein kann.

  • Die heterogene Umsetzung der digitalen Transformation entlang der Wertschöpfungskette kann auch dazu führen, dass nur einzelne Akteure einer Wertschöpfungskette bereit sind, für eine horizontale Integration. Somit kommt es zu keiner Optimierung.

  • Ein weiteres Risiko ist, dass Unternehmen bspw. IT-Systeme implementieren, die nicht miteinander kompatibel sind.

  • Schlussendlich zählt der größte Anteil der Unternehmen zu kleinen und mittleren Unternehmen (KMU). In Deutschland machen diese bspw. fast 98% aus. KMU sind in der Regel durch mangelnde finanzielle Ressourcen in ihrem Handeln limitiert, was den Prozess der digitalen Transformation verlangsamt, da nicht regelmäßig in neue digitale Technologien investiert werden kann.


Insgesamt lässt sich sagen: Wir haben noch Einiges vor!

Mit Blick in die Zukunft lässt sich sagen, dass man langfristig nicht mehr von Wertschöpfungsketten, sondern -netzwerken sprechen wird - jedoch stehen viele Unternehmen einem intensiven Handlungsbedarf gegenüber, bevor es so weit ist. Der "Digitalisierungsindex Mittelstand 2020/2021" fand heraus, dass der Digitalisierungsgrad über alle Branchen und Unternehmensgrößen hinweg angestiegen ist. Mittelständische Unternehmen erreichen nun 56/100 Punkten. Nichtsdestotrotz begreift nur jedes zweite Unternehmen bis dato Digitalisierung als ein strategisches Projekt. Und "überraschenderweise" haben große Unternehmen einen digitalen Vorsprung - aber der Mittelstand holt langsam auf!


Wir kriegen diese Veränderungen schon hautnah Tag für Tag während unserer Arbeit bei 55BirchStreet mit. Es ist inspirierend und beeindruckend, welche Maßnahmen kleine und große Unternehmen, die wir unterstützen dürfen, bereits umsetzen und wie die Vision von Unternehmen sich der schnelllebigen Welt anpassen. Wir freuen uns, Teil dieser langen, anspruchsvollen, aber auch spannenden Reise zu sein